Diskussion:KDE-605

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Die Argumentation der SEG-4 ist eine rein semantische und keine inhaltliche. Meines Erachtens ist eine Antwort auf diese Frage nicht sinnvoll aus medizinischen Gründen ableitbar. Es bleibt bei einer Meinungsäußerung, die ohne Kompetenz zur Regelgebung kaum ins Gewicht fallen dürfte. Diese Frage sollte man dem Schlichtungsausschuss vorlegen.--Salome (Diskussion) 08:25, 29. Okt. 2020 (CET)


Stellungnahme der DGNR (Deutsche Gesellschaft für Neuroradiologie) zur Kodierung von Mikrodrahtretrievern bei der mechanischen Thrombektomie beim akuten Schlaganfall (vom 21.10.2019)

Die mechanische Thrombektomie beim akuten Schlaganfall ist mittlerweile ein anerkanntes und evidenz-basiertes Behandlungsverfahren. In vielen hochrangig publizierten, internationalen, prospektiv-randomisierten Studien (u.a. MR CLEAN, SWIFT PRIME, REVASCAT, IA EXTEND, THRACE, THERAPY) konnte die hohe Wirksamkeit der mechanischen Thrombektomie überzeugend gezeigt werden. Weitere randomisierte Studien (DAWN, DEFUSE 3) belegen für ausgewählte Patienten sogar eine hohe Effektivität selbst im erweiterten Zeitfenster bis 24 Stunden nach Symptombeginn. Grundsätzlich sind bei der endovaskulären Therapie des ischämischen Schlaganfalls sowohl der Stent-Retriever als auch der Aspirationskatheter („Mikrodrahtretriever“) standardmäßig eingesetzte Techniken, die mit hoher Erfolgsrate eine Rekanalisation verschlossener Hirngefäße ermöglichen. Die verfügbare Studienlage belegt dabei mittlerweile sowohl für die „Stentretriever“ als auch für die „Aspirationsbehandlung“ („Mikrodrahtretriever“) eine Level-Ia Evidenz. Regelhaft werden beide Verfahren in Kombination angewendet, wodurch sich die Wirksamkeit der Behandlung (Rekanalisationsrate) in der Praxis erhöhen lässt. Auch die aktuellen Behandlungsleitlinien der Fachgesellschaften sehen daher beide Verfahren, sowohl einzeln als in Kombination eingesetzt als elementare Bestandteile der First-Line-Therapie.

Während bei der Kodierung der Stentretriever (OPS 8-83b.84ff) keine Unklarheiten bestehen, gibt es diese für die Kodierung der „Mikrodrahtretriever“-Systeme (OPS 8-83b.80ff). Diese seit 2007 eingesetzten Schlaganfalls-Systeme basieren primär auf einer mikrodrahtgestützten Aspiration von Blutgerinnseln aus einer Hirnschlagader. Abhängig von der Größe des Zielgefäßes werden dazu sog. Reperfusionskatheter unterschiedlicher Größe (0.5 – 1mm Durchmesser) verwendet. Um eine Verstopfung der in der Anfangsphase dünnen Mikrokathetersysteme zu verhindern, wurde bei diesen Kathetersystemen zusätzlich ein sog. „Separator- Mikrodraht“ eingesetzt, der eine kontinuierliche Absaugung des Blutgerinnsels aus der Hirnschlagader ermöglicht. Basierend auf diesem ersten mikrodrahtgestützten Schlaganfallssystem wurde daher im OPS-System die Kategorie „Mikrodrahtretriever“ (OPS 8-83b.80ff) eingerichtet und wird seither für diese aspirationsgestützte Therapieform verwendet. Die Aspirations-Systeme zur akuten Schlaganfallsbehandlung wurden kontinuierlich weiterentwickelt, so dass mittlerweile auch Reperfusionskatheter mit höherer Flexibilität und deutlich größeren Innenlumen verfügbar sind. Insbesondere die größeren Reperfusionskatheter zeigen dabei wissenschaftlich belegt ein signifikant verbessertes Rekanalisationspotential mit sehr guten klinischen Ergebnissen. Neben den prospektiv randomisierten internationalen Studien belegen aktuell u.a. zwei Studien von deutschen Autoren aus dem Kreis der Fachgesellschaft die hohe medizinische Wirksamkeit der Aspirationskatheter („Mikrodrahtretriever“) (Möhlenbruch M, et al. 2017; Schramm P, et al. 2018). Die mittlerweile größeren Katheter haben dabei insbesondere den Vorteil, dass der Separator-Mikrodraht nicht mehr vonnöten ist. In der (historischen) Definition „Mikrodrahtretriever“ ist die Verwendung eines Separators nicht hinterlegt.

Unbenommen davon ist, dass jedes (Reperfusions-)Mikrokathetersystem über einen Mikrodraht am Gefäßverschluss platziert wird – also immer ein Mikrodraht bei der Sondierung des Hirngefäßes zum Einsatz kommt. Diese OPS-Definition wurde mit Unterstützung der DGNR modifiziert, um die Prozedur besser abzubilden, aber vor dem Hintergrund zunehmender Diskussion mit den Medizinischen Diensten sollte hier eine weitere Konkretisierung bzw. weitere Anpassung der mittlerweile veralteten Definition Mikrodrahtgestütztes Thrombektomiesystem mit kontinuierlicher Aspiration OPS:s 8-83b.80 bis 8-83b.83 erfolgen. Dies ist im Rahmen des OPS-Verfahrens für Februar 2020 fest vorgesehen. [Anmerkung: OPS 2021 https://www.dimdi.de/static/de/klassifikationen/ops/kode-suche/opshtml2021/block-8-80...8-85.htm#code8-83b unverändert!]

Bis zur Konkretisierung der OPS-Ziffern 8-83b.80 bis 8-83b.83 sollte die Thrombektomie mittels Aspirationskatheter mit kontinuierlicher Aspiration unverändert wie bisher als „Mikrodrahtretriever-Behandlung“ kodiert werden. Wird bei der Schlaganfallbehandlung, neben dem Einsatz eines Stentretrievers zur Thrombus-Entfernung, gleichzeitig (additiv) ein Mikrodrahtretriever mit kontinuierlicher Aspiration verwendet, so ist dieses System (ggf. mehrere Systeme) zusätzlich mit der OPS 8-83b.80ff zu kodieren. Die Kodierung richtet sich ferner nach der Anzahl der Mikrodrahtretriever-Systeme (bis zu drei). --KrauseW (Diskussion) 09:51, 30. Okt. 2020 (CET)